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Der mutige Sprung auf meinen Seelenweg (Dezember 2015)

Da stehe ich also. Ich, meine Seele, in ihrer ganzen Nacktheit. Unberührt. Voller Liebe. Voller Entschluss.  Aber auch voller Angst…

Ich bin zum ersten Mal hier und alles ist neu für mich und mir fremd. Wo befinde ich mich?

Ich stehe auf dem höchsten Punkt eines riesigen Berges, inmitten von einer kluftigen Felsen-Landschaft. Die Landschaft ist karg, kaum Vegetation vorhanden. Niemand außer mir ist anwesend. Ich bin ganz allein. Hier oben auf der Spitze des Berges.

Ich blicke herab und sehe meine nackten Füße, wunderschöne feminine Füße. Unter ihnen ein schwarzer Untergrund, vermutlich Granit.

Ich stehe am Rande dieses Felsens und blicke vor meine Füße. Es geht kerzengerade nach unten, eine Steilheit wie ich sie vorher noch nie wahrgenommen habe. Diese Tiefe, diese unendliche Tiefe macht mir Angst.

Und gleichzeitig zieht es mich nach unten. Ähnlich wie bei der Sensation einer Höhenangst. Doch es fühlt sich etwas anders an. Denn ich weiß, wieso ich hier bin.

Und ich möchte hier sein.

Ich fühle, hier stehe ich schon lange. Hin und wieder weht ein sanfter Wind an meinem Körper entlang. Mein nackter Körper ist bedeckt mit einem weißen seidigen Gewand, ähnlich einem Kleid. Diese weiße Hülle fühlt sich angenehm an auf meiner Haut, so geschmeidig. Ich fühle mich von ihr beschützt. Ähnlich wie bei einem Schmetterling der noch nicht frei ist, umgeben von seinem Kokon.

Und es weht der Wind.

Manchmal ist der Wind stärker und ich kann ihn pfeifen hören. Er flüstert mir ins Ohr: „Komm! Komm mit!“ Doch so stark er auch weht, er kann mich nicht mitnehmen. Ich stehe, wie angewurzelt an dieser Stelle, am Abhang dieser steinigen Landschaft.

Nun geht mein Blick in die Ferne. Ich schaue vor mich und nehme eine riesige Landschaft wahr. Auch sie wirkt nicht belebt auf mich, fast leer.

In der Mitte entspringt ein Fluss.

Instinktiv weiß ich, dies ist der Fluss meines Lebens, meines Lebens hier auf der Erde.

Um ihn herum sehe ich eine Landschaft, die auf mich sehr düster wirkt. Es gibt Tannen, keine grünen, vollen Tannen, eher leere Tannen, die schon viele ihrer Nadeln verloren haben. Diese Leere dort unten macht mir Angst.

Alles wirkt sehr erdrückend auf mich, obwohl ich gleichzeitig die Weite des Horizontes wahrnehmen kann. Und ja, dort nehme ich eine Sonne wahr, ein wunderschönes warmes Licht. Ich weiß, ich bin Teil davon.

Ich weiß, an diesem Punkt stehe ich schon lange und blicke hinab in das Tal. Das Tal ist unsere Mutter, Mutter Erde. Ein Hauch der Gefühle dieser Ebene zieht zu mir nach oben. Es fühlt sich schwer an, Gefühle von Trauer, Angst, Unsicherheit.

Diese Ebene der Lieblosigkeit macht mir Angst und ich weiß, ich bin hier fremd.

Doch hier oben bin ich beschützt und muss diese Gefühle nicht so nah an mich heran lassen. Und doch spüre ich, dies ist nicht mein Platz. Ich bin nicht gekommen, um hier zu stehen und von einer höheren Warte aus nur zu beobachten.

Ich kann von hier oben niemals miterleben, wie es sich anfühlt, auf dieser Ebene, der Ebene der Dreidimensionalität. Ich bin hier und doch nicht hier.

Meine Hülle aus weißem Gewand fühlt sich an, wie eine Gebärmutter, ja eine Art kosmische Gebärmutter. In ihr durfte ich wachsen, reifen, alles beobachten und kennenlernen, stets beschützt.
Doch ich weiß, nun ist die Zeit gekommen in der ich mich gebären muss. In der ich springen muss – hinunter in die Tiefe dieser Ebene, dem Fluss meines Lebens auf dem Planeten Erde.

Mir wird bewusst, ich bin hier, um zu fühlen. Um zu fühlen all die Gefühle, die auf dieser Ebene, die Ebene der Menschen, wohnen. Mir wird klar, dass ich von hier oben nur einen Bruchteil der Gefühle wahrnehme, wessen ich fähig bin. Gleichzeitig weiß ich auch, ich fühle schon jetzt mehr als die meisten Menschen auf dieser Ebene. Und doch ist es nur ein Echo der Realität. Und das macht mir Angst. Wie intensiv werde ich fühlen, wenn ich erst einmal gesprungen bin und mich inmitten dieser Welt befinde?!

Doch eine liebevolle, sehr kraftvolle Qualität umgibt mich und sagt mir: Du bist hier um zu dienen, um zu fühlen. Du bist genau an deinem richtigen Punkt. Und langsam wird es Zeit zu springen.

Ich weiß, wenn ich hier richtig ankommen will auf der Erde, wenn ich LEBEN will, dann muss ich springen. Es führt kein anderer Weg nach unten. Nur der steile Abhang der vor mir liegt. Doch mittlerweile bin ich schon ganz ungeduldig! Ich möchte nicht noch länger hier oben stehen und nichts tun.

Ich möchte gehen meinen Seelenweg, der dort unten entlang dem Fluss der Gefühle verläuft.

Mein Drang los zu lassen wird immer größer! Ich kann mich kaum noch halten und stehe innerlich kurz vor dem Absprung. Es baut sich eine riesige Spannung auf. Die Gefühle welche ich bisher empfunden habe, intensivieren sich. Ich fühle Vorfreude, Glück, Angst, Spannung, Liebe, Neugierde…und diesen starken Impuls meines Herzens ENDLICH ZU SPRINGEN!

Wenn ich springe, so wird nichts mehr sein wie zuvor! Alles wird sich ändern und ich weiß nicht was mich erwartet.

Alles was mir bisher eine gewisse Sicherheit vorgegaukelt hat, woran ich mich geklammert habe, werde ich verlassen müssen.

Doch das Vertrauen zu meiner Seele ist nun so groß, dass ich mich fallen lassen kann. Ich lasse mich also fallen und tragen von dem Licht meiner Seele.

Ich schaue in die Ferne.

Dann blicke ich nach unten.

Ich schließe meine Augen und nehme einen   t i e f e n   l a n g e n   Atemzug.

Ich halte diesen Atemzug für einen Moment, spüre mein Herz, spüre meine Seele, spüre mein Licht…

…entfalte meine Flügel…

Und…

ICH SPRINGE!!!!!!!

Deine Vada

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